Wissen rund ums Tracheostoma
Wenn Patienten ein Tracheostoma, also eine Atemöffnung im Hals benötigen, gibt es dafür sehr unterschiedlichen Ursachen. So können z. B. diverse neurologische Erkrankungen, oder Tumorgeschehen im Hals gleichermaßen die Anlage eines Tracheostomas erforderlich machen.2 Das Ziel ist immer die Sicherung der Atemsituation.
Dennoch müssen entsprechend der Ursache individuelle Versorgungsformen gewählt werden. Die Trachealkanülenauswahl spielt dabei eine zentrale Rolle.3 Das bringt für Patienten und ihre Angehörigen viele Veränderungen im Alltag mit sich. Eventuell müssen neue tägliche Routinen erlernt, oder bisher Gewohntes unter anderen Rahmenbedingungen durchgeführt werden.
Je nach Pflegesituation übernehmen Pflegedienste die speziellen Aufgaben in Abstimmung mit dem behandelnden Arzt und geben auch Angehörigen Hilfe und Tipps zu Versorgung. Auch der jeweilige Hilfsmittellieferant übernimmt wichtige Aufgaben wie Beratung, Anleitung und Schulung. Darüber hinaus bietet z. B. die Broschüre „Empfehlung für die Versorgung von tracheotomierten Patienten“, herausgegeben vom Bundesverband für Medizintechnologie e. V. (BVMed) Informationen, die hilfreich sein können.2 In diesem Artikel möchten wir anhand einiger häufig auftretender Fragen von Anwendern ein paar grundsätzliche Informationen für den Alltag der Tracheostomaversorgung geben.
Warum fällt das Atmen durch ein Tracheostoma auf einmal so leicht?
Kurz gesagt: wegen des verkürzten Atemwegs. Tracheostomapatienten atmen ausschließlich durch die Öffnung im Hals, nicht mehr durch Mund und Nase, wodurch sich der Atemweg verkürzt. Deshalb bemerken Patienten eine deutliche Verringerung des Atemwiderstands, das Atmen fällt also erst einmal leichter. Was zunächst positiv erscheint, erweist sich aber physiologisch als kontraproduktiv, denn der Atemwiderstand ist wichtig für die Erhaltung von Lungenvolumen und -funktion.
Wieso verschleimt die Lunge so schnell?
Durch das ungeschützte Tracheostoma gelangt nun direkt kalte, trockene und ungefilterte Luft in die Lungen, da die wichtigen Funktionen der Nase verloren gegangen ist. Außerdem kann die Verkürzung des Atemwegs das Eindringen von pathogenen Erregern erleichtern. Zusätzlich funktionieren die Schutzmechanismen der Luftröhre, die das Eindringen von Erregern und Partikeln in die tiefen Atemwege verhindern, bei kalter, trockener Luft nicht optimal.4 Bei ungeschütztem Tracheostoma, ohne kontinuierliche Befeuchtung und Erwärmung, kommt es daher zu vermehrter Sekretbildung. Ein Tracheostomaschutz ist deshalb so elementar wichtig. Hier gibt es verschiedene Möglichkeiten, von speziellen Tüchern oder Kompressen bis hin zu sogenannten künstlichen Nasen, auch als HME (Heat and Moisture Exchanger/Wärme- und Feuchtigkeitsaustauscher) bezeichnet. Entscheidend ist es, diese Hilfsmittel konsequent über 24/Tag zu nutzen, um die volle Funktionsleistung zu erreichen.
Was ist eigentlich eine künstliche Nase?
So nennt man ein HME (Heat and Moisture Exchanger/ Wärme und Feuchtigkeitsaustauscher). Diese kleinen Filter imitieren die Funktionen der Nase und sorgen bei konsequenter Nutzung für eine Rückbefeuchtung und Erwärmung sowie eine wichtige Filterung der Atemluft. Sie generieren zudem einen notwendigen Atemwiderstand, der die vollständige Belüftung der Lungenareale ermöglicht. Es ist wichtig, diese Filter spätestens nach 24 Stunden oder bei Verschmutzung umgehend auszutauschen, um Keimbesiedelungen zu vermeiden. Sie sind als Einmalartikel ausgewiesen und dürfen nicht gereinigt werden.
Welche Hygiene und Pflegemaßnahmen des Tracheostomas sind wichtig?
Die Haut im Tracheostomabereich ist vielen ungünstigen Faktoren ausgesetzt. Austretendes Sekret, also Schleim, reizt die Haut, und mechanische Beanspruchung z. B. von Pflastern oder Kompressen kann zu Hautschäden führen. Die tägliche Betrachtung und ggf. Reinigung sollten zur Routine werden. Unterschiedliche Reinigungs- und Pflegeartikel sind dafür erhältlich, wie z. B. spezielle Reinigungstücher, aber auch besondere Hautschutzsubstanzen. Ziel ist es, die Haut in der Tracheostoma-Region zu pflegen, trocken zu halten, und Infektionen zu vermeiden.
Was bedeutet eine „Trachealkanülen-Umstellung“?
Die Trachealkanüle soll möglichst zu jedem Zeitpunkt optimal an den Bedarf des Patienten angepasst werden. So ist z. B. kurz nach der OP eine andere Trachealkanüle sinnvoll als zum Zeitpunkt der Entlassung. Zur Stimmbildung werden u. U. andere Produktmerkmale benötigt als bei Schluckstörungen. Eine individuelle, bedarfsgerechte Trachealkanülen-Auswahl ist entscheidend für das Patientenbefinden und das Rehabilitationsergebnis.
Wie reinigt man die Trachealkanüle?
Die korrekte Reinigung der Trachealkanüle ist wichtig, um Infektionsrisiken zu vermeiden und die Produktqualität zu erhalten. Wenn eine Trachealkanülen Innenkanülen hat, können diese zur Reinigung entfernt werden, während die Außenkanüle in der Regel im Tracheostoma verbleibt. Alle Komponenten sollten unter fließendem Wasser abgespült und in einer lauwarmen Reinigungslösung eingelegt werden. Nach dem Reinigungsbad ist die gründliche Entfernung aller Reinigungsmittelreste wichtig. Beachten Sie stets die Reinigungshinweise des jeweiligen Herstellers!
Muss eine Trachealkanüle gewechselt werden?
Ja, das muss regelmäßig, entsprechend dem Bedarf des Patienten passieren. Der Wechsel der Trachealkanüle sollte gemäß den Herstellerangaben zur maximalen Liegedauer und den nationalen gesetzlichen Vorgaben erfolgen. Dabei handelt es sich um eine ärztliche Tätigkeit, die in der Regel von gut angeleitetem Fachpersonal ausgeführt werden kann, wenn keine besonderen Umstände den Wechsel durch einen Arzt erforderlich machen. Der Kanülenwechsel ist eine belastende Maßnahme für den Patienten und erfordert sorgfältige Planung und professionelle Durchführung.
Videos auf YouTube
Reinigung der Trachealkanüle:
Wie reinige ich eine Trachealkanüle? | Animation | Fahl Medizintechnik-Vertrieb GmbH.
Trachealkanülenwechsel:
Trachealkanülenwechsel für Patienten | Animation | Fahl Medizintechnik-Vertrieb GmbH
Trachealkanülenwechsel für Pflegepersonal | Animation | Fahl Medizintechnik-Vertrieb GmbH
Endotracheale Absaugung:
Endotracheale Absaugung für Pflegepersonal | Animation | Fahl Medizintechnik-Vertrieb GmbH.
Was gibt es beim Absaugen zu beachten?
Die endotracheale Absaugung, also das Absaugen von Sekret mit einem Absaugkatheter durch die Kanüle hindurch, ist eine notwendige Maßnahme zur Wiederherstellung eines freien Atemwegs. Die Frequenz des Absaugens sollte streng auf ihre Notwendigkeit überprüft werden. Generell gilt der Satz „So oft wie nötig und so selten wie möglich!“, denn auch diese Maßnahme ist unter Umständen belastend für den Patienten.
Warum sollte man Inhalieren?
Ein gutes Raumklima mit ausreichend Luftfeuchtigkeit ist wichtig, besonders in den Wintermonaten, um die Sekretviskosität, also die Zähigkeit des Schleims in den Atemwegen zu reduzieren. Zusätzlich helfen Inhalationen dabei, den Schleim flüssiger zu machen damit er gut abtransportiert werden kann.5 Und teilweise können darüber auch notwendige medikamentöse Zusätze direkt an den Ort der Wirkung gebracht werden. Gerade bei Infekten der oberen Luftwege oder auch auf Urlaubsreisen in klimatisch trockenen Regionen, erweisen sich Inhalationen als effektive Hilfe für den Tracheostoma-Patienten. Die individuellen Reinigungsempfehlungen der Hersteller für die Geräte sollten beachtet werden, um Infektionsgefahren zu vermeiden.
Wozu dient ein Sprechventil?
Sprechventile ermöglichen Tracheotomierten einerseits das fingerfreie Sprechen. Die unterschiedlichen Ventilfunktionen bewirken eine Umleitung der Ausatmung, so dass nicht über das Tracheostoma ausgeatmet wird, sondern die Luft die oberen Atemwege, also den Ort der Stimmbildung erreicht. Die entstehende Luftzirkulation in den oberen Atemwegen hat andererseits noch einige weitere Vorteile, z. B. dass die Sensibilität in diesem Bereich erhöht wird.6 Logopäden und Sprachtherapeuten nutzen ein Sprechventil z. B. auch für das Schlucktraining. Der Einsatz eines Sprechventils geschieht stets in Abstimmung mit dem behandelnden Arzt und ist situativ, temporär begleitet bis hin zu tagsüber kontinuierlich, zu ermöglichen.
Bitte beachten: Sprechventile dürfen nur auf eine entblockte Trachealkanüle aufgesetzt werden!
Quellen:
1 Baumann HJ. etal. Die Tracheotomie auf der Intensivstation…Pneumologie 2010; 64:769–776
2 https://www.bvmed.de/verband/publikationen/fachbroschueren/empfehlung-tracheotomieversorgung-2017?sh=Empfehlung+tracheotomierter, abgerufen am 16.01.2025
3 Klemm, E. (2012). Kompendium der Tracheotomie (pp. 36-37). A. Nowak (Ed.). Berlin Heidelberg: Springer.
4 https://flexikon.doccheck.com/de/Zilie/Pathophysiologie, abgerufen am 20.01.2025
5 Prävention der nosokomialen beatmungsassoziierten Pneumonie. Bundesgesundheitsbl. 56, 1578–1590 (2013)
6 Niers, N. (2014). Tracheotomie: ein Ratgeber für Betroffene, Angehörige, Pflegekräfte, Therapeuten und Ärzte. Schulz-Kirchner Verlag GmbH.


