Mit einer Prise Plan zum Frohgenuss

 

Frohmüller vor seinem Leichtflugzeug

Das Fliegen mit dem Leichtflugzeug bedeutet für Helmut Frohmüller Genuss und pures Glück: „Wenn ich in der Luft bin, vergesse ich alles andere. Die Probleme bleiben am Boden“ sagt er, und seine Augen strahlen dabei. Das er jemals wieder würde fliegen können, hätte er zwischenzeitlich nicht mehr geglaubt.

Das Ehepaar Frohmüller betreibt ein Hotel mit Gasthof und eigener Wurstherstellung, Helmut ist Fleischermeister von Beruf. Die selbst hergestellte Wurst wird auf der Speisekarte  angeboten und als Dosen- oder Räucherwaren außer Haus verkauft. Seine gesundheitlichen Probleme kamen schleichend und dauerten an, die Ursache war lange unklar.

Als der Kehlkopfkrebs endlich entdeckt wurde, musste es schnell gehen, da hatte Helmut bereits 9 Operationen hinter sich. Komplikationen und 3 weitere Operationen hätten ihm  fast sein Leben gekostet - und alles während der Corona-Jahre und somit ohne die Nähe der Familie. Emine Frohmüller erinnert sich genau: „Es war unglaublich schwer. Geholfen  hat uns letztendlich die Steuerprüfung! Um unsere Existenz und unser Lebenswerk zu kämpfen hat uns abgelenkt.“ Die Frohmüllers sind es gewohnt, viel und zielstrebig zu arbeiten und die Dinge anzupacken. Und so ging Helmut auch seine Genesung nach Plan an. 3 Ziele hatte er sich damals gesetzt: leben, bei seiner Familie sein, und wieder fliegen. 

Das setzte unbedingt voraus, wieder sprechen zu lernen. „Ich habe die Erfahrung gemacht, dass man ohne Stimme nicht sichtbar ist. Außerdem muss man als Pilot den Funkverkehr zwingend bedienen können“ erklärt er. Herr Frohmüller spricht die Ruktussprache. Anfangs war es anstrengend, aber er hat nicht lockergelassen und ein halbes Jahr  nach der OP gaben ihm Übung, Kraft, Wille und Anatomie eine beeindruckend laute Stimme - bis zu 50 Dezibel! Um seine Stimme per Funk zu trainieren, fliegt er gezielt fremde  Flughäfen an. Dann muss er sich nämlich mehr Mühe geben und deutlich sprechen. "Da ich etwas faul bin, zwinge ich mich regelmäßig dazu. Training ist ja wichtig" sagt er. 

Helmut in seinem Gastraum

Mit allen Sinnen genießen

Die starke Beeinträchtigung der Sinne nach der Laryngektomie war Helmut überhaupt nicht bewusst, entsprechend groß war der Schock.  „Als Fleischermeister und Koch ist der Geruchs- und Geschmackssinn für mich essenziell. Und noch viel mehr als das: es ist für mich ein  sehr wichtiger Teil des Lebens. Ich möchte meine Umgebung mit allen Sinnen wahrnehmen. Wenn ich den Wald nicht riechen kann, fehlt mir die Hälfte.“ Glücklicherweise sind intensive Gerüche problemlos für ihn erkennbar.

Eine besondere Herausforderung lag im Abschmecken der Speisen sowie beim Pusten, z. B. bei heißen Suppen. Seine Zielstrebigkeit zeigte  sich auch hier: Hartnäckig üben, üben, üben lautete der erfolgreiche Plan, und selbst ein Lied zu pfeifen macht Helmut heute keine Mühe mehr. Zwischendurch stellte er fest, dass er Flüssiges besser schmecken kann als Festes. Deshalb verflüssigt er sich die Dinge  manchmal. Omami ist der einzige Grundgeschmack den er gar nicht mehr erkennt. Die Wiedererlangung all seiner Sinne war ihm wichtig. "Erst als mir viele Sinneseindrücke verloren gegangen waren, wurde mir ihre große Bedeutung für mich bewusst. Genuss ist für mich ein  Lebensgefühl!“ sagt er mit Nachdruck.

Die Gäste seines Hotels und Restaurants haben übrigens keine Berührungsängste, trotz der sichtbaren Zeichen seiner Laryngektomie.  "Manchmal fragt mich jemand, was ich denn da am Hals habe, oder ob ich erkältet sei, weil meine Stimme so anders ist. Aber das passiert  selten."

 

Fliegen ist das pure Glück

Und dann war da noch das Fliegen. Neben dem Hotelbetrieb und der Familie war die Rückkehr in seinen Flugsportverein, dem AEC  Walldorf, ein wichtiger Schritt auf dem Weg in ein normales Leben. Die Aktiven haben ihn großartig unterstütz. Auch seinem Fliegerarzt, Dr. Stefan Reschke, der vieles für ihn in die Wege geleitet hat, ist er sehr dankbar. Die Flugmedizin Rhein-Neckar in Walldorf kann er diesbezüglich nur  wärmstens empfehlen. Herr Frohmüller hat drei aktive Privatpilotenlizenzen für Leicht- bzw. Ultraleichtflugzeuge. Da zeigt sich wieder seine  ausgeprägte Pragmatik gepaart mit großem Fleiß. Außerdem liebt er Herausforderungen und ist multitaskingfähig – für einen seiner  Pilotenscheine lernte er hinter der Theke, während im Restaurant eine Familienfeier stattfand. Die Prüfung hat er problemlos bestanden.

Heute ist Helmut mit seinem Leben sehr zufrieden. „Es ist für mich ein großes Glück und auch eine gewisse Befriedigung, dass ich das alles  geschafft habe. Meine Familie war eine riesige Stütze“ resümiert er.

Anderen Patienten möchte der 63-jährige Mut machen und mitteilen, dass das Leben nach solch einer schweren Krankheit fast normal  weitergehen kann. Wichtig sei vor allem eine gute Betreuung und eine gewisse Hartnäckigkeit – dadurch wird vieles möglich, selbst das Fliegen!

Emine und Helmut Frohmüller

Als Gegenpool zum arbeitsreichen Alltag fährt das Ehepaar Frohmüller gerne in den Urlaub, am liebsten in Hotels, wo sie sich auch mal  bedienen lassen dürfen. Diese Auszeiten sind ihnen sehr wichtig. Außerdem genießen sie das Familienleben zusammen mit den zwei Kindern  (18 und 20 Jahre). 

Hotel und Gasthof Frohmüller
Webseite: hotel-gasthof-frohmueller.de

 

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Ehepaar Frohmüller auf der Ofenbank ihres Kamins im Gastraum